Die Association of Issuing Bodies hat ihre Halbjahresstatistik zur Entwicklung des Marktes für grüne Energie in Europa vorgestellt. Die Zahlen belegen eine weiter gesteigerte Nachfrage nach Grünstrom mit Herkunftsnachweisen.

Gemäß der Statistik wurden im ersten Halbjahr 2017 Gurantees of Origin (GoOs) im Umfang von rund 376 Terawattstunden im Bereich des EECS stillgelegt. Damit liegt die Nachfrage bereits nach der ersten Hälfte des laufenden Jahres höher, als im Gesamtjahr 2016. Dieser extreme Anstieg der Nachfrage erklärt sich zum größten Teil mit dem Beitritt Spaniens zum EECS im März des vergangenen Jahres. Da das Land sowohl einer der größten Erzeuger von grüner Energie als auch einer der größten Märkte für Herkunftsnachweise ist, wird die AIB-Statistik dadurch nachhaltig beeinflusst. Doch selbst wenn man Spanien von der Betrachtung ausnimmt, zeigt sich eine signifikante Steigerung der Zahl der Stilllegungen, die rund 10% höher liegt, als im selben Zeitraum des Vorjahres.

Besonders deutlich fällt das Nachfrage-Plus in Estland sowie in Kroatien aus, wo sich die Zahl der Stilllegungen im Vergleich zum Vorjahr versechs- bzw. versiebenfacht hat. Der größte Markt für Herkunftsnachweise innerhalb des EECS bleibt auch weiterhin Deutschland, wo in den vergangenen sechs Monaten Herkunftsnachweise im Umfang von rund 77,6 Terawattstunden stillgelegt wurden. Das entspricht einer Steigerung von rund 18% gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr. Es folgen Spanien (73,4 TWh), die Schweiz (51,1 TWh) und Norwegen (26,5 TWh).

Norwegen bleibt der größte Grünstrom-Erzeuger

Hinsichtlich der genutzten Erzeugungsarten dokumentiert die AIB-Statsitik eine weiter anhaltende Dominanz der Wasserkraft: 71% aller unter Verwendung erneuerbarer Energien erzeugten GoOs sowie 68% aller stillgelegten Herkunftsnachweise stammen aus Wasserkraftwerken. Damit verbunden konnte auch Norwegen seine Stellung als mit Abstand wichtigstes Erzeugungsland von grüner Energie im Bereich des EECS behaupten. Die Produktion in den ersten sechs Monaten des Jahres lag dort bei insgesamt 65,4 Terawattstunden.

Obgleich auf niedrigerem Niveau, ist die Entwicklung der Nachfrage nach Wind- und Solarenergie-GoOs bemerkenswert. Gemessen an der Zahl der Stilllegungen ist die Nachfrage nach Herkunftsnachweisen dieser Erzeugungsarten im ersten Halbjahr um 200 bzw. 500% angewachsen.

Gegenläufige Entwicklung auf der Erzeugungsseite

Im Gegensatz zur stark gestiegenen Zahl der Stilllegungen ist die Erzeugung in Q1 und Q2 des laufenden Jahres deutlich zurückgegangen. Die AIB weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es bei der Dokumentation der Produktion durch unterschiedliche Publikationszeitpunkte in den EECS-Mitgliedsländern zu Abweichungen in den Daten kommen kann. Die Zahlen könnten also tatsächlich höher liegen, als in der Halbjahresstatistik ausgewiesen. Es wird interessant sein, die weitere Entwicklung in diesem Bereich zu verfolgen und zu beobachten, ob sich der Trend in den kommenden Monaten des Jahres fortsetzt. Sollte das der Fall sein, ist die Frage, in wie weit sich das auf die Zahl der Stilllegungen im kommenden Jahr auswirken wird.